Jubel Trubel Neustart

Neuanfang. Editor’s Letter.

Manchmal muss man mit einer Idee starten, ganz viel Freude für eine Zeit daran haben und sich dann doch irgendwie etwas verlieren, um sich wiederzufinden. Und die Idee, sie wird bleiben, aber sie darf sich etwas verändern, damit sie wieder zu dir passt. Plötzlich wächst sie mit dir und du realisierst, dass sich das jetzt wieder nach ‘ner richtig guten Sache anfühlt und du weißt: Eieiei, wir sind wieder ein geiles Team. So oder so ähnlich ist es uns mit Jubel Trubel Zweisamkeit gegangen.

Singleleben, Konfetti und Schabernack und noch mehr

Mehr Liebe? Geil lohnt sich und Feierei in Kölner Kneipen. Eine Mischung aus Single- und Stadtmagazin sollte es in unseren Anfängen sein. Und das entsprach uns damals so sehr. Aber Dinge ändern sich.
Die Gedanken, die wir mit Anfang 30 hatten und die Leben, die wir führten, unterscheiden sich von unseren heutigen. Wir haben unsere WG aufgelöst. Jenny hat sich fürs Erste von Köln verabschiedet, um ein bisschen ortsunabhängig zu arbeiten und dabei herauszufinden, ob die Domstadt auch wirklich ihr Zuhause ist oder doch ein anderer Ort. Kerstin ist Köln treu geblieben und hat in der Zwischenzeit Familienzuwachs bekommen: Ein Tierschutzschnuckelchen namens Joschi. Wir beide steckten in unseren ganz eigenen persönlichen Krisen. Waren beschäftigt damit und sind es immer noch, herauszufinden, wohin es für uns geht. Dazu gehörte auch lange Verdrängtes oder Hintenangestelltes anzugehen und zu verarbeiten und vor allem auch jeweils den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Die Konfettimädchen, die jedes Wochenende bis zum Sonnenaufgang unterwegs waren – das sind wir nicht mehr. Und das loszulassen war gar nicht so einfach. Erst in den letzten Jahren haben wir verstanden, was Wachstumsschmerz wirklich bedeutet.

Tja, und jetzt? Irgendwie sind wir noch die gleichen, aber irgendwie auch nicht. Wir sind irgendwo dazwischen – etwas aus dem Ständig-bis-10-morgens-feiern-Modus rausgewachsen, aber auch nicht im klassisch gesetzten Leben verortet. Wir sind gerade auf der Reise und haben richtig Bock auf den echt abenteuerlichen Weg. Was das Ziel ist? Ein Leben, das sich richtig für uns selbst anfühlt. Und irgendwie auch der Weg selbst. Eines ist gleich geblieben: Wir sind die mit den Gefühlen. Mit viel Bock auf Liebe und Dating. Mit himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Und die mit den Singles.

 

"Wir mussten und müssen uns so oft rechtfertigen: Für unser Timing, für unsere Wünsche und Träume, unsere Entscheidungen und immer wieder für unseren Beziehungsstatus als Singles."

Ähnlich und doch anders

Wir sind ein bisschen erwachsener geworden, ohne wirklich erwachsen zu sein. Denn das ist sowieso eine Lebensaufgabe, dieses Erwachsenwerden. Finden wir zumindest.

Wir wollen immer noch das Leben feiern, aber immer öfter auch auf eine andere Weise. Wir wollen immer noch die Liebe finden. Nicht nur die romantische, eher diese ganze superduper Liebe, die die Welt zu bieten hat. Wir haben verstanden, dass die Liebe zuallererst bei uns selbst anfängt. Deshalb geht es bei uns in Teilen mit Altem weiter, aber auch mit Neuem los: Wir stellen euch weiterhin wunderbare Singles an ihren Lieblingsorten vor – nicht mehr nur in Köln übrigens. Da Jubel Trubel unser Herzensprojekt ist, wollen wir es jedoch mit uns wachsen lassen. Jubel Trubel soll bleiben, was es immer sein sollte: Unser Sprachrohr, das zu 1000 Prozent zu uns passt. Folglich verändern sich auch die Schwerpunkte zusammen mit uns. Ein wichtiger Aspekt, der uns immer wieder challenged: Ein Leben zu führen, in dem man wirklich auf sein Herz hört, in dem man sich von gesellschaftlichen Normen und alten Rollenbildern nicht unter Druck setzen lässt. Manchmal muss man aber erst auf die Schnauze fallen, sich verlieren, so richtig zersplittern, psychische Krisen aushalten, um in den Dialog mit den eigenen Wünschen, der eigenen Intuition zu kommen.

Was auffiel – wir mussten und müssen uns so oft rechtfertigen: Für unser Timing, für unsere Wünsche und Träume, unsere Entscheidungen nicht ins klassische Raster von “Das-macht-man-mit-Mitte-30-so” passen zu wollen und immer wieder für unseren Beziehungsstatus als Singles. Wir mussten uns erklären und für uns selbst einstehen lernen, Gedankenmuster – einzementiert bis in den Kern – aufbrechen, Alleinsein und auch Einsamkeit aushalten, sich selbst mal für eine Zeit genügen und der Komfortzone Ciaoi sagen. All das war anfangs ganz schlimm verschreckend, dann entpuppte es sich jedoch als ein Katalysator für Gutes.

Denn so durften wir ein bisschen mehr darüber erfahren, wer wir sind, was uns berührt und was uns im Leben wichtig ist. Und mehr noch: Wir durften lernen, welche Themen für uns authentisch und relevant sind, über die wir noch mehr sprechen wollen. Einfach, weil es wichtig ist. Für uns und wir glauben auch für andere. Gefühle zulassen, sich verletzlich zeigen und anderen öffnen, das setzt unglaublich viel Mut voraus. Aber genau das ist es, was wir möchten. Und wir wollen euch ermutigen, das auch zu tun. Wir möchten noch mehr Nein zu Toxic Shit sagen und haben uns drei große Herzensthemen überlegt, über die wir zentral schreiben werden:
Liebe, Single-Empowerment und mentale Ausgeglichenheit. 

 

"Denn es geht doch darum, sich selbst zu fragen, was man mit seinem Leben anstellen möchte – und nicht einfach Pfade nachzulatschen, weil alle es so machen ab einem bestimmten Alter."

Wie jetzt genau? 

Ein Leben zu führen, das andere vielleicht nicht verstehen und das auch völlig ok zu finden, hat unserer Erfahrung nach ganz viel mit persönlichem Wachstum zu tun – mit Arbeit an sich selbst und Fürsorge für sich selbst. Das war und ist noch immer eine Challenge für uns. Aber irgendwann hat es Klick gemacht. Wir haben plötzlich verstanden, dass es um etwas Tieferes geht. Nämlich ums Trauen, sein Leben in seinem eigenen Rhythmus zu leben, ohne den Selbstwert an der Meinung anderer festzumachen. Vielleicht ist es das klassische Familienmodell, das einen glücklich macht, vielleicht ist es das freie Single-Leben, eine innige Zweierbeziehung, offene Beziehung, 30 Hunde aufm Land, schicke Stadtwohnung ohne Kinder, mit Kindern – was auch immer es ist: alles ist superfein, solange es uns glücklich macht. Denn es geht doch darum: Sich selbst mal zu hinterfragen, was man mit seinem Leben anstellen möchte – und auch wann man dies tun möchte und nicht einfach Pfade nachzulatschen, weil alle es so machen ab einem bestimmten Alter.

Es kann wehtun, wenn man sich traut bei sich selbst genau hinzuschauen, denn es kann einen zu Veränderungen im Leben zwingen, die erst einmal ungemütlich sind. Aber für uns hat es sich als der einzig funktionierende Weg erwiesen, damit die Seele nicht ausrastet und uns um die Ohren haut, was wir da für ne Scheiße bauen, weil wir nicht bei uns bleiben. Wir haben noch lange nicht alles auf der Kette, lernen liebend gern weiter. Aber was uns klar geworden ist: Wir sind wütend! Wütend darüber, dass Singles meist noch immer als unvollständig angesehen werden, dass ihnen noch immer der “da-stimmt-was-nicht-Mief” angehangen wird. Und auch darüber, dass Frauen in ihren 30ern dann noch gleich mit sämtlichen Fragen über ihre biologische Uhr und ihren Uterus behelligt werden. Single-Bashing passiert so unfassbar häufig und ist so scheiße. Wenn sich zwei Menschen, die sich richtig lieben, gefunden haben, ist das mit das Geilste, was man so fühlen kann. Das steht außer Frage und beschert schwer schöne Highs. Genau deswegen lieben wir ja auch unseren Job, Singles an ihren Lieblingsorten vorzustellen und wollen dies auch weiterhin tun.

Die Erwartungen der anderen

Doch der Fehler schleicht sich ins System, wenn die Paarbeziehung als der einzige Weg für ein glückliches Leben angesehen wird. Wenn ALLE Frauen ab Anfang 30 doch Bock aufs Muttersein haben sollten in den Augen anderer. Abweichungen werden oft argwöhnisch beäugt und wilde Mutmaßungen getroffen.

Aus Bedenken, als einsam und komisch wahrgenommen zu werden, aus Angst sich selbst aushalten zu müssen und einer Erwartung nicht zu entsprechen, bindet sich manch eine*r an einen Menschen aus den falschen Gründen unserer Meinung nach. Dann werden Ängste mit Beziehungen überdeckt. Aber die Gesellschaft nickt wohlwollend. Hauptsache nicht Single. Da fängt es dann an schwierig zu werden. Wir glauben fest daran: Für eine gesunde, nährende Beziehung sollte man zuerst mal auch lernen, eine tolle Beziehung mit sich selbst zu führen ungeachtet sämtlicher Bewertungen. Denn diese sind oft enorm toxisch und greifen den Selbstwert an als würde es kein Morgen mehr geben. Been there, done that.

 

"Wir sind dafür, dass der Beziehungsstatus Single die Stempel 'unvollständig' und 'Mängelexemplar' verliert und dafür, dass jede Beziehungsform ihre Berechtigung hat."

Weniger Checklisten, mehr Freiheit

Darum sind wir für STOP, was diese ganzen Denkmuster angeht! Nicht ins Raster gesellschaftlicher Vorstellungen zu passen, ist voll ok. Nicht in einem bestimmten Alter Dinge von Checklisten abzuhaken, ist voll ok. Sich erstmal selbst in seiner Gänze und Großartigkeit begreifen und kennenlernen, bevor man settled, ist ok. Niemals settlen zu wollen, ist voll ok, genauso wie schnell das volle Programm aus Family und Co zu wollen voll ok ist. Solange das das ist, wofür euer Herz so richtig häppycläppy klopft. Und manchmal braucht man einfach länger, um sein Plätzchen zu finden, manchmal haben es auch Umstände einfach noch nicht hergegeben, seinen Traum bisher verwirklicht zu haben. Auch das ist sowas von ok. Je weniger wir uns vergleichen, je weniger wir an – vor allem heteronormativen  – Geschlechterrollen und Erwartungen  festhalten, umso mehr Raum zum Durchatmen und zum “Das-Leben-ziemlich-gut-finden” bleibt uns allen. Wie fucking wunderbar! Denn da, wo sich Druck von außen seinen Weg bahnt, da struggelt über kurz oder lang die mentale Gesundheit. Nämlich dann, wenn man versucht, ein Leben für andere zu leben, sich zu verbiegen, damit man doch reinpasst in dieses große Regelwerk. Dass das weit weg von mentaler Ausgeglichenheit und Selbstfürsorge ist, mussten wir auch selbst realisieren.

Deshalb sind wir für mehr Offenheit, Selbstverwirklichung und dafür, Mentales gut im Blick zu haben. Wir sind dafür, dass der Beziehungsstatus Single die Stempel “unvollständig” und “Mängelexemplar” verliert und dafür, dass jede Beziehungsform ihre Berechtigung hat. Wir sind für mehr Gefühle. Wir sind für Aufrichtigkeit, Echtheit, sich verlieben in Menschen und das Leben, fürs Krisen überwinden und fürs Träume leben, für gute Gedanken, für Mutmachendes und Witziges. Und am Ende wollen wir einfach, dass alle mehr auf sich selbst, aber auch auf andere aufpassen. Jede*r so wie er kann, Bock hat und überhaupt. Lasst mal nett sein, auch zu uns selbst! Und lasst doch mal über Wunder staunen und das wertschätzen, was passiert, wenn das Leben passiert. Wir freuen uns drauf und glauben, das wird ganz fabelhaft!

In diesem Sinne: Wollen wir zusammen weiter jubelntrubeln? 🧡

Kerstin und Jenny Co-Founder Jubel Trubel Zweisamkeit

Text: Kerstin & Jenny

Beste Freundinnen und Jubel Trubel Zweisamkeit-Gründerinnen, beide Schreiberlinge, beide PR- und Social Media Menschen und beide ziemlich verknallt in alles, was mit Hunden, Balkonabenden, Küchentisch-psychologie und geilen Farbwelten zu tun hat. Das Schöne: In ihren Gegensätzen ergänzen sie sich dabei ziemlich fabelhaft.
Noch mehr erfahrt ihr hier.

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