Von heimlichen Gefühlen

Ich mag dich. Ich finde dich toll. Ich fühle mich gut mit dir. Du bist es wert, dass ich innehalte. Dass sich meine Welt etwas langsamer dreht. Damit ich Zeit gewinne. Damit ich nichts übersehe, nicht die kleine Falte über deiner Nasenwurzel, nicht deine Zunge, die du beim Lachen gegen die Vorderzähne drückst. All die großen Kleinigkeiten. Du bist so verschroben interessant, deine Direktheit macht mich baff und zieht mich zugleich in ungeahnter Heftigkeit an. Du zeigst mir, dass es sie noch gibt, diese Verknalltheit, dieses dümmliche Grinsen und die zittrigen Hände. An einem Punkt, an dem ich dachte, ich bin selbst mit und in der Menge verroht und abgestumpft, kommt dieser Knall – Du. Wumms. Eine Erschütterung, die ich erst wieder einordnen lernen muss. Eine Erschütterung, die nur Gutes heißt. Eigentlich. Wären wir in einem Film, wäre es das Happy End, das Finale Grande, der sinngebende Schlussakt. Sind wir nicht. Wir sind in der Realität. Und die sieht so aus, dass zwischen uns noch nie etwas gelaufen ist. Dass wir uns gut verstehen, dass ich super entspannt bin und für jeden Quatsch zu haben bin – oft witzig, mal tiefsinnig oder Kopf waschend – wir können uns super easy da abholen, wo der andere gerade abgeholt werden muss. Allerdings voll und ganz in der Friendzone. Keine total engen Freunde, aber dennoch mit ‘ner ziemlichen Verbundenheit. Und doch weiß ich, dass es gerade einfach nicht mehr zwischen uns werden kann, ohne dich jemals gefragt zu haben. Ich weiß, dass wir uns gerade absolut unterschiedliches Zeugs wünschen. Du wütest gerade durch dein Leben, hast 1001 Ideen, bist mal voll auf Dopamin, mal erbarmungslos verängstigt vom Leben an sich. Du bist du mit dir im Zentrum. Das muss gerade so sein. Meine Gefühle würden zwischen dir und dir selbst den Raum zum Zerplatzen bringen. Das ist nicht gut für mich. Für dich auch nicht. Deshalb schweige ich. Behalte alles für mich, versuche zu verdrängen.

Höher, schneller und weiter. Spaß, Lachen, Kater zelebrieren, Ungebundenheit glorifizieren.

Weil alles andere zu viel wäre, zu viel Geständnis, zu viel Nacktheit, zu viel Verletzbarkeit. Dir davon zu erzählen würde dich mit reinziehen, würde dich zu einer Reaktion zwingen. Und du willst dich zu gar nichts zwingen lassen, willst Herr über dein Leben sein, tun und lassen, was zu willst. Keine Verpflichtung, kein Müssen. Nur Wollen. Und davon ganz schön viel. Das ist dein way of life, dein Begriff von einem guten Leben. Und ich, ich würde plötzlich gewaltsam reingrätschen, würde dir Dinge erzählen, die du gar nicht hören möchtest. Dinge, die dich aufhalten in deiner sich immer schneller drehenden Welt. Höher, schneller und weiter. Spaß, Lachen, Kater zelebrieren, Ungebundenheit glorifizieren.

Da passt mein Gefühl gerade nicht rein. Würde ich dir die ganze Wahrheit ins Gesicht sagen, würde ich das Hier und Jetzt mit dir verlieren. Denn alles würde sich verändern, wäre gezwungen und vorsichtig, verkrampft bis distanziert. Ich bin immer fürs Kämpfen, fürs volle Kanne Reinspringen. Fürs Fühlen, Fühlen, Fühlen. Zuletzt entscheidet immer das Herz. Immer. Aufgeben oder etwas nicht wagen ist was für Schluffis. Aber dennoch, jetzt in diesem Moment gibt es nichts zu Kämpfen. Denn der Ausgang ist klar, den spüre ich mit jedem deiner Worte, mit allen Parties und mit allen Flausen. Freiheit ist Trumpf. Daher sage ich nichts, schütze meine Gefühle wie ein zartes Pflänzchen in mir. Und hoffe, dass sie vorbeigehen. Einfach aufhören. Irgendwann.

Foto von Sydney Rae via Unsplash

Text: Jenny

Jubel Trubel Zweisamkeit-Gründerin, Fan von Wortneuschöpfungen und Songs, die sich dramatisch steigern. Die hört sie am liebsten laut beim Auto fahren oder während sie klitzekleine Sachen in Schachteln ordnet. Nebenbei arbeitet die Detailverknallte als Freelancerin – ihr Ding: alles, was mit Copywriting, Social Media und Texten zu tun hat. Ach ja, und Kirmes. Übrigens würde sie ganz gerne auf der nächsten Hochzeit den New Girl-Ententanz nachstellen. Wer Bock hat mitzumachen, gerne mal melden!

Foto by Betty

Veröffentlicht am 2. April 2018
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