Wenn du deine
Freunde traust

Wir verkuppeln nicht nur, wir trauen jetzt auch. Als damals das Telefon klingelte und Anna uns sagte, sie hätte da eine Bitte an uns beide, sie würden sich wünschen, dass wir Andreas und sie trauen, da dachten wir zuerst, wir hätten uns verhört. So ganz komplett wir? Ohne Trauredner? Jubel Trubel Trauung? Whuat? Aber was gibt es eigentlich Schöneres, als zwei lieben Menschen das Versprechen abzunehmen, für immer zusammen zu bleiben? Gedacht, getan! Neben ganz schön viel Panik kam schnell ein wohliges Gefühl der Rührung und ja, auch etwas Stolz. Anna-Elena und Andreas haben uns gefragt, ob wir die Traurede halten möchten, weil sie es schön finden, wie wir sie als Paar sehen. Und genau das wollten wir auch mit allen Gästen teilen. Also haben wir uns an die Arbeit gemacht, fleißig getippt, uns einige freie Trauungen bei Youtube angeschaut, Lesungen rausgesucht und Ideen abseits des Standard-Jaworts überlegt. Wir haben unser Bestes gegeben, nah am Brautpaar zu sein, diese beiden wirklich als Team greifbar zu machen, authentisch und locker. Ohne den steifen Hochzeitskram. Vieles haben wir verworfen und durch Neues stets ersetzt bis wir eine Fassung hatten, die wir richtig fühlten. Einleitung, Lesung, Jawort, Schlußteil – gespickt mit Musik, Trauzeugenwünschen und Freundinnenrede. Fertig war unsere erste freie Trauung.

Plötzlich ist der Tag da. Was vorher noch in so weiter Ferne gelegen hat, ist aufeinmal zum Greifen nah. Als wir am Freitagabend mit Verspätung in Potsdam ankamen und das erste Mal beim vorfeierlichen Abendessen sahen, wie viele Hochzeitsgäste angereist waren, wurde uns ziemlich flau im Magen. Wir hatten eine klare Reizüberflutung. Ein paar Gläser Wein später mischte sich aber auch ‘ne große Portion Vorfreude dazu. Leicht angetüdelt und auch selbst etwas erschrocken über diesen Zustand übten wir unsere Zeremonie zuerst noch einmal auf dem Hotelzimmer und schließlich vor dem Hotel in der lauen Potsdamer Nacht. Schräge Blicke inklusive. Wir spürten, dass wir das gut hinkriegen würden, dennoch stieg die Aufregung immer weiter. Challenge: Frühstück am nächsten Morgen. Aber Grundlage musste sein, denn Nervosität, Hitze und nüchterner Magen sind eher so semi-gut. Nach kleineren Outfit-Problematiken (Und dann war irgendwie der Ausschnitt doch zu tief und es gab Sicherheitsklammer-Sessions, ach ja, wenn die Nerven leicht durchgehen) fuhren wir fertig gestylt zur Location (und landeten erstmal am falschen Ort). Als wir dann endlich den wunderschönen Garten der Villa Schöningen betraten, die hübschen Stuhlreihen und das Wow-Arrangement mit Gartenzelt erspäht hatten, verschlug es uns echt kurz die Sprache. Hier kann geheiratet werden. Yes.

Und dann stehst du da. Zusammen mit deiner besten Freundin. Im Hintergrund sanfte Unplugged-Musik und die Braut, die ebenfalls deine Freundin ist, kommt mit ihrem Vater durch den Park geschritten. So viele Emotionen, von denen man nicht weiß, wohin damit. So viel Aufgeregtheit, Glück und Freude. Bei den ersten Worten zittert alles, sogar das Gesicht. Trinken geht nur noch mit zwei Händen aus einem Glas, damit niemand das große Zittern bemerkt. Adrenalin vom feinsten. Aber schnell wird klar, dass auch kleine Versprecher egal sind, weil dieser Augenblick eigentlich nur schön werden kann. Die Angst, es total  zu versauen, mit einem Blackout die Stimmung hart zu killen oder einfach richtig weinen zu müssen, all diese Gedanken waren umsonst – alles hat gepasst. Kleinere Patzer – eben mal den Faden verloren und oder vom Wind weggewehte Blätter, die auf unserem Po Halt gemacht haben – waren so absolut gar nicht schlimm.

4 Fotos von Jubel Trubel Zweisamkeit

"Zwei Menschen, mit denen man schon so viel Schönes, aber auch Trauriges  in vielen Jahren erlebt hat, die Frage zu stellen, ob sie für immer zusammen bleiben wollen, ist einfach wahnsinnig ergreifend."

Wie es ist, seine Freunde zu trauen? Das lässt sich gar nicht mal so leicht in Worte fassen. Es ist ein ganz besonders intimer Moment voller tiefer Zuneigung und Freundschaft und Freude für die beiden und Rührung, dass du selbst auf diese Weise Teil davon bist. Zwei Menschen, mit denen man schon so viel Schönes, aber auch Trauriges  in vielen Jahren erlebt hat, die Frage zu stellen, ob sie für immer zusammen bleiben wollen, ist einfach wahnsinnig ergreifend. Vor allem, wenn viele der Hochzeitsgäste ebenfalls deine Freunde sind. Es ist ein ganz besonderer feierlich-emotionaler Augenblick, den man nie im Leben vergessen wird. Es geht richtig unter die Haut auf die beste Weise. Und es berauscht etwas. Seinen Freunden zu erzählen, wofür man sie gerne hat und was man Fabelhaftes in ihnen sieht, finden wir auch abseits von Hochzeiten wichtig. Aber in dieser Situation ist es noch einmal besonderer. Und es ist schön zu wissen, dass sie diese Worte nicht vergessen werden, genauso wenig wie wir das tun werden. Du knüpfst ein Band zwischen den beiden Menschen vor dir, aber gleichzeitig stärkst du auch das Band zwischen euch. Wir sind keine Profis, aber wir haben aus unseren Herzen gesprochen. Und es war unfassbar toll zu sehen, dass die Anwesenden das gespürt haben und das Brautpaar in unseren Worten wiedererkannt haben. Das Sahnehäubchen auf diesem Strudel aus Nervosität und Glückstaumel: Wenn du in die Reihen schaust und einige deiner langjährigen Freunde siehst, wie sie das ein oder andere Tränchen wegknipsen. Dann weißt du, dass ihr irgendwie erwachsen geworden und irgendwie auch noch immer die Alten seid. Mit weniger Bierbong und Unvernunft, aber mit unzähligen Erinnerungen und Bock auf neue Abenteuer.

That’s what friends are for.
Jubel Trubel Trauung. Check!

Fotos: Heiko Schulze

Kerstin und Jenny Co-Founder Jubel Trubel Zweisamkeit

Text: Kerstin & Jenny

Beste Freundinnen und Jubel Trubel Zweisamkeit-Gründerinnen, beide Schreiberlinge, beide PR- und Social Media Menschen und beide ziemlich verknallt in alles, was mit Hunden, Balkonabenden, Küchentisch-psychologie und geilen Farbwelten zu tun hat. Das Schöne: In ihren Gegensätzen ergänzen sie sich dabei ziemlich fabelhaft.
Noch mehr erfahrt ihr hier.

Veröffentlicht am 27. Juli 2018
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